In Gedenken an Christoph
ICH WACHSE...
Ich spüre, dass ich wachse und reife und möchte diesen Vorgang besser verstehen.
Ich merke, wie ich mich in den letzten Jahren verändert habe.
Ich bin nicht mehr der, der ich einmal gewesen bin. Aber ich distanziere mich nicht von dem , der ich einmal war.
Ich bin die Summe all derer, die ich einmal war, und in mir angelegt liegen die Möglichkeiten dessen, der ich noch werden kann.
Veränderungen gehen oft mit Schmerzen einher, weil es auch Kräfte in uns gibt, die Angst haben vor dem Reifen.
Und ich gehe das Risiko ein, mich unsicher zu fühlen, einsam zu werden, mich zu verlieren, unter meinen Freunden belächelt und verkannt zu werden.
Ich wachse und reife in meinem Glauben.
Ich habe die Kinderschuhe zurückgelassen, die Vorsichtigkeit, mit der ich meinte, Gott gütig stimmen zu müssen.
Ich halte mich nicht mehr an starre Regeln, die andere aufgestellt haben.
Ich glaube nicht mehr aus Angst.
Ich gestalte meinen Glauben so, wie er mir entspricht, nicht so, wie andere ihn haben wollen.
Ich verlasse den ganzen Bereich des Müssens und betrete die Welt des Könnens und Wählens.
Gott ist nicht mehr die Donnerstimme, in der ich mich klein und kauernd geborgen fühlte.
Ich lebe von der Einladung dieser bunten Wirklichkeit Gottes.
Ich werde meine Vergangenheit nicht verneinen, denn sie gehört zu mir.
Aber ich werde verhindern, dass sie immer wieder meine Zukunft bestimmt.
Reifen heißt, die Bilder zurückzunehmen, die ich auf die Welt projiziere, und diese Bilder nicht mehr mit der Wirklichkeit zu verwechseln.
Ich will die Verzerrungen und Verschönerungen weglassen.
Andere Menschen sind nicht dazu da, meine Wünsche zu erfüllen, und das Leben schuldet mir nichts.
Ich werde wachsen, auch wenn du dich dagegen entscheidest. Ich bin entschlossen.
Wenn wir bewusst teilen und unsere Erlebnisse mit unserem Wesen füllen, wachsen wir einzeln und zueinander hin.
Im stillen Gedenken an einen guten Freund.